Ashkan Dejagah und Isarel
aus Worldcupwiki
9. Oktober 2007 - Der deutsche U21 Nationalspieler Ashkan Dejagah hat seine Teilnahme am EM-Qualifikationsspiel der Auswahlmannschaft gegen Israel am kommenden Freitag abgesagt - aus “politischen Gründen”.
Sportlicher Kontakt nicht erwünscht
Was sich auf den ersten Blick wie ein ungeheuerlicher Skandal liest, wird auf den zweiten Blick verständlicher - ob allerdings auch akzeptabler steht auf einem anderen Blatt. Der in Berlin aufgewachsene und inzwischen beim VfL Wolfsburg spielende Jungnationalspieler ist Deutsch-Iraner. Geboren wurde er in Teheran, sein Bruder spielt beim dortigen Verein Paykan Teheran. Die bittere Wahrheit ist, dass es für ihn tatsächlich einfacher und besser sein dürfte, sich diesem sportlichen Wettstreit nicht zu stellen. Sanktionen gegen ihn oder seine im Iran lebende Familie wären wahrscheinlich. Ein israelischer Stempel im Pass macht sich überhaupt nicht gut bei der Einreise in den Iran. Selbst wenn er für diesen Zweck seinen deutschen Pass nutzen würde oder von der Möglichkeit Gebrauch machen würde, diesen Stempel auf einem Extrablatt in Empfang zu nehmen, die israelische Beamte für Fälle wie diesen einräumen - sein Name dürfte wohl zu bekannt sein um quasi inkognito sowohl nach Israel und in den Iran einzureisen. Denn der Kontakt zwischen iranischen und israelischen Sportlern ist seitens des persischen Staates nicht erwünscht, eine solche Begegnung wird in Teheran als der schleichende Weg zur Anerkennung des Staates Israel verstanden.
So ließ sich 2004 Arash Miresmaeili, seinerzeit nicht nur Fahnenträger der iranischen Mannschaft bei der Olympiade in Athen, sondern auch klarer Favorit auf die Goldmedaille im Judo, noch vor dem ersten Kampf wegen Übergewichts disqualifizieren - sein Gegner in dieser ersten Runde wäre ein Israeli gewesen. Zunächst hatte er angekündigt, nicht antreten zu wollen, zog diese Boykottandrohung nach internationalem Druck allerdings zurück. Sein taktisches Übergewicht brachte ihn dann zwar um die Goldmedaille, den Lohn für den Gewinn einer solchen von 125.000 US-Dollar wurde ihm von der iranischen Regierung trotzdem zugestanden.
“Mehr möchte ich dazu nicht sagen”
“Es ist bekannt, dass ich Deutsch-Iraner bin. Mehr möchte ich dazu nicht sagen”, so kommentierte Dejagah laut Wolfsburger Allgemeine Zeitung (WAZ) seine Absage. Trainer Dieter Eilts sei eingeweiht und habe “sofort Verständnis gezeigt”. Die unglückliche Verquickung gänzlich unterschiedlicher sensibler Beziehungen - Deutschland-Israel und Iran-Israel - dürfte Wasser auf die Mühlen der Feinde der doppelten Staatsbürgerschaft sein. Dass ein junger Deutscher aus politischen Gründen nicht in Israel Fussball spielen mag, wird einem Beobachter ohne Kenntnis der Hintergründe die Haare zu Berge stehen lassen - und selbst mit diesen Kenntnissen fällt es schwer, die Vorgänge unkommentiert zu lassen. Dass der Verdacht im Raume steht, Dejagah wolle sich so seine Chancen erhalten, später einmal in der iranischen A-Nationalmannschaft zu spielen, sollte sein Talent für die sicherlich anspruchsvollere deutsche A-Nationalmannschaft nicht reichen, macht den Vorgang nicht appetitlicher, im Gegenteil. Einige iranische Fussballfans jedenfalls feiern seine Entscheidung als Schritt in Richtung Team Melli, wie die iranische Nationalmannschaft genannt wird.
Möglicherweise wäre es schlauer gewesen, die Sache unauffälliger zu handhaben, wie es einst Ali Karimi, iranischer Staatsbürger und bis Ende der letzten Saison Fussballer in Diensten des FC Bayern München tat. Als dieser 2004 in der Champions League gegen Maccabi Tel Aviv antreten musste, war Karimi bei Hin- und Rückspiel verletzt.
Autor: Martin Stahlke in Readers Edition unter Creative Commons Lizenz
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