FIFA World Cupâ„¢ Gala 2006
aus Worldcupwiki
Zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2006, am 7. Juni 2006, sollte die FIFA World Cup™ Gala im Berliner Olympiastadion stattfinden. Jedoch sagte der Weltverband FIFA die Feier am 13. Januar 2006 ab. Ein neuer Rasen hätte nach der Durchführung der Feier nicht rechtzeitig neu verlegt werden können, begründet der internationale Fußballverband die Absage.
Vor der WM wird es jetzt stattdessen zwei Feiern geben. Eine WM-Feier vor dem Brandenburger-Tor in Berlin am 7. Juni 2006, zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel in München zwischen Deutschland und Costa Rica. Die offizielle 20-minütige Eröffnungsfeier, die von André Heller künstlerisch geleitete wird, findet nun vor dem ersten Spiel am 9. Juni in München statt. Sie wird keine Elemente der abgesagten Berliner FIFA World Cup™ Gala 2006 beinhalten.
Erstmals hätte eine Show ohne direkt anschließendem Fußballspiel eine Weltmeisterschaft eröffnet. Das Eröffnungspiel der WM 2006, das die deutsche Nationalmannschaft als Gastgeber bestreitet, als die sportliche WM-Eröffnung findet erst am 9. Juni in München statt.
Die 25 Millionen Euro teure FIFA World Cup™ Gala 2006 sollte vom bekannten österreichische Künstler André Heller geleitet werden, der auch Chef des gesamten Kunst- und Kulturprogramm der WM ist. Regie und Inszenierung hätte Philippe Decouflé übernommen. Der britische Popstar Peter Gabriel sollte für die Musikregie zuständig sein und Brian Eno die Titelmusik der Gala komponieren. Einer der bedeutensten Bühnenbildnern, Mark Fisher, wurde ebenfalls für die Gala engagiert.
7000 Freiwillige aus ganz Deutschland hatten sich bereits als Statisten zur Verfügung gestellt und waren bis dato von Choreographen trainiert worden.
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Planungen vor der Absage
Bei der Eröffnungsgala der WM sollten die Sopranistin Jessye Norman (http://en.wikipedia.org/wiki/Jessye_Norman), die Hiphop-Band Black Eyed Peas (http://de.wikipedia.org/wiki/The_Black_Eyed_Peas), der Sänger Cheb Khaled (http://de.wikipedia.org/wiki/Cheb_Khaled) und Brian Eno (http://de.wikipedia.org/wiki/Brian_Eno) in Berlin auftreten.
Das Vorprogramm am 7. Juni sollte um 21 Uhr starten, der 90-minütige Hauptteil ab 22 Uhr. Die günstigste Eintrittskarte kostete 100 €, das Premium-Ticket € 750. Wer schon eine Ticket für die Gala gekauft hat, bekommt sein Geld zurückerstattet.
Bei der WM-Gala sollte das gesamte Spielfeld ein großer LED-Bildschirm werden. André Heller sagte: „Von zeitgenössischen Künstlern entworfene Muster und hunderte Filmsplitter hätten sich zu einer immer wieder neuen Bühne für 5.000 Darsteller entwickelt, die ihrerseits computergesteuerte Kostüme getragen hätten. Eine poetische Bilderflut zwischen Traum und Wirklichkeit“.
Seit weit über einem Jahr haben die besten Techniker der Branche an diesem Bildschirm gearbeitet. Die Logistik für den Auf- und Abbau war bis ins Detail geplant. Den Rasen hätte man vor der Show heraus nehmen müssen. Eine weitere große Bühne war am Marathontor vorgesehen. Stellt sie euch als große, kreisrunde Plattform mit einer langen, ausladend geschwungenen Rampe hinunter zum Spielfeld vor! Die gesamte Bühne und sogar die Innenfläche des Stadionsdachs wären zur Projektionsfläche für Farben, Muster und bewegte Bilder geworden.
Am 7. Juni wird es erst um 22 Uhr dunkel. Erst dann entfaltet das Lichtdesign seine ganze Wirkung. Um diese Uhrzeit hätte die weltweit gefeierte Opernsängerin Jessey Norman die Gala mit „Dich, teuere Halle, grüße ich“ aus dem „Tannhäuser“ eröffnet. Durch eine Hebebühne und ein spezielles Kostüm hätte sie sich dabei in eine 16 Meter hohe Riesin verwandelt.
Darauf hätte der erste große Showteil gefolgt. Große Skulpturen und Phantasiemaschinen wären aufmarschiert. Eine Parade von Figuren wie Marlene Dietrich, Heino, Struwwelpeter, Ludwig II. an der Hand von Richard Wagner oder der verpackte Reichstag hätten die deutsche Geschichte thematisiert. Jede Figur wäre durch mehrere Darsteller vervielfacht worden. Projektionen und der LED-Boden hätten das zerstörte Berlin und den Aufmarsch einer Roboterarmee mit Monitorköpfen gezeigt. Die Monitore hätten Chaplin im „Großen Diktator“ gezeigt.
„Surreal Football“ nannte sich ein weiteres Segment: „Der Rasen, der immer nur getreten wird, schlägt zurück“, sagt Heller. Durch den Bildschirm hätte das Spielfeld ein surreales Eigenleben entfaltet, die Linien hätten sich wie in einem Traum gebogen. Große Bälle hätten sich darauf bewegt. Ihr wärt möglicherweise als große Augen, Pfeifen oder „Grasmenschen“ verkleidet gewesen. „Auf Maschinen montierte“ Fußballspieler wären über das bewegte Fußballfeld auf vier Beinen gelaufen.
Vom Traum zur Wirklichkeit: Nach der surrealen Szene wären sämtliche noch lebenden Fußball-Weltmeister einmarschiert. Der Bildschirm unter ihren Füßen hätte historische Spielmomente gezeigt. Anschließend hätte die „offizielle“ FIFA-Zeremonie stattgefunden, um das Turnier zu eröffnen. Für die Zeremonie waren alle sechs lebenden Friedensnobelpreisträgerinnen eingeladen, Wasser aus ihrer Heimat nach Berlin zu bringen. Die kräftige Fontäne aus diesem Wasser hätte eine sieben Meter große Kugel empor gestemmt. Die Kugel schwebt wie von Geisterhand im Stadion. Wir hatten dafür ein bemanntes Flugobjekt konstruiert. Der schwebende Globus hätte sich langsam zu einem Fußball verwandelt. Und nach einer weiteren Verwandlung wäre plötzlich im Inneren des Balls ein WM-Pokal sichtbar geworden. Er hätte so gleißend hell geleuchtet, dass „jeder im Stadion die Augen hätte schließen müssen“, sagt Heller.
Nach der Zeremonie war eine 30minütige Weltmusikrevue vorgesehen, eine Produktion von Peter Gabriel. An dessen Ende hätten 1.500 Percussionisten tausende von Tänzern begleitet. Das wilde Trommeln hätte in einem markerschütternden Schrei endet, gefolgt von minutenlanger Stille.
Die nächsten Programmpunkte folgen Schlag auf Schlag: Bob Dylan sollte auftreten. Danach hätte ein Feuerwerk den Berliner Himmel erleuchtet. Dieses hätte eine Besonderheit gehabt: Es wäre live vom chinesischen Starpianisten Lang Lang begleitet worden. Die Gala sollte mit einer Party enden. Black Eyed Peas hätten dafür gespielt - und wir wären uns stolz und glücklich um den Hals gefallen.
Pressemittelung der FIFA zur Absage
- 13. Januar 2006 - Aufgrund einer erneuten eingehenden Analyse für die erfolgreiche Verlegung eines neuen Rasens nach der Durchführung der für den 7. Juni 2006 im Berliner Olympiastadion geplanten Gala der FIFA WM 2006 kam die FIFA zum Schluss, die Veranstaltung abzusagen. Es hat sich auch nach den Ende 2005 getätigten Datumsverschiebungen für die Austragung der Gala bzw. des ersten Gruppenspiels im Olympiastadion Berlin (7. und 13. Juni statt 8. und 12. Juni) gezeigt, dass ein termingerechter Abbau der aufwendigen Bühnen und Veranstaltungstechnik sowie ein darauf folgender Einbau eines neuen Rasens, der ab 12. Juni in perfekter Spielqualität zur Verfügung stehen müsste, nicht ohne erhebliche Risiken möglich ist.
- Die FIFA und das lokale Organisationskomitee Deutschland bedauern diesen Entscheid umso mehr, als sie von dem unter der Führung des künstlerischen Leiters André Heller geplanten und seit Monaten in Probe befindlichen Ereignis stets begeistert waren und nach wie vor sind. Eine Verlagerung in eine andere Stadt kommt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Frage, da eine vollkommene Neukonzeption sowie der Neustart eines Programms für die freiwilligen Darsteller und Helfer nicht termingerecht gestaltet werden könnte.
- Die FIFA beurteilt das Konzept einer eigenständigen Eröffnungsveranstaltung nach wie vor als äusserst positiv und wird mit André Heller und seinem Team Vorschläge für eine mögliche Realisierung bei der FIFA WM 2010 in Südafrika erarbeiten.
- Die FIFA möchte sich ausdrücklich bei der Stadt Berlin, allen Mitwirkenden und insbesondere bei den 15 000 Freiwilligen bedanken, die sich mit Enthusiasmus und grosser Freude eingebracht haben. Die FIFA wird sich in geeigneter Form für dieses Engagement erkenntlich zeigen. Auch bereits geleistete Beträge für gekaufte Tickets werden selbstverständlich vollumfänglich zurückerstattet.
- „Ich persönlich halte die Idee einer aufgewerteten Eröffnungsveranstaltung nach wie vor für gut. Diese späte Absage ist der FIFA nicht leicht gefallen, aber für uns als Weltfussballverband müssen die sportlichen Aspekte schliesslich Vorrang haben. Ich danke André Heller und allen Beteiligten für das grosse Engagement und ihr Verständnis für diesen Entscheid“, sagte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter.
- „Mit grosser Traurigkeit verabschiede ich mich von der so spannenden Arbeit an der Gala der FIFA WM 2006™, Berlin, aber ich kann mich dem Argument, dass die Weltmeisterschaftsspiele im Olympiastadion Berlin, inklusive Endspiel, unter absolut perfekten Bedingungen abgewickelt werden müssen, nicht entziehen“, erklärte André Heller. „Künstlerische Überlegungen, noch so gelungener Natur, müssen in diesem Fall zurückstehen. Jetzt werde ich mich mit aller Kraft den Planungen für die Eröffnungsfeier in München und der Schlussfeier in Berlin widmen.“
Weblinks
Zur Absage
- FAZ: "Berliner WM-Eröffnungsgala fällt aus" (http://www.faz.net/s/RubFB1F9CD53135470AA600A7D04B278528/Doc~EAAC534F9F0E0456B847FF1B525560676~ATpl~Ecommon~Scontent.html)
- Kommentar bei Spiegel Online (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,395139,00.html)
- Spiegel Online zur Absage (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,395071,00.html)
- Heller im Spiegelinterview (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,395086,00.html)
Zur geplanten Gala
- Das Plakat der FIFA-Worldcup Gala (http://eur.i1.yimg.com/eur.yimg.com/i/eu/fifa/galaf.jpg)
- Bewerbungsseite für freiwillige Darsteller und Helfer (http://gala.fifaworldcup.com/index.php?WM2006_Session=e97825d76515794d5fff9db4b74d826f)
- ZDF.de über die Gala in Berlin (http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/12/0,1872,2401900,00.html)
Mr. Wong
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