Weltmeisterschaft 1966

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Fußball-Weltmeisterschaft 1966 - England
World Cup 1966
Anzahl Nationen 71 (16 Endrunde)
Weltmeister England
Austragungsort England
Eröffnung 11. Juli 1966
Endspiel 30. Juli 1966
Zuschauer 1.630.000 (51.000 pro Spiel)
Tore 89 (2,8 pro Spiel)
Torschützenkönig Eusebio (Portugal) 9 Tore

Die 8. Fußball-Weltmeisterschaft wurde vom 11. - 30. Juli 1966 in England ausgetragen.

Diese Weltmeisterschaft wird insbesondere aus deutscher Sicht für immer unvergessen bleiben, da im Endspiel das legendäre Wembley-Tor fiel - eines der umstrittensten und gleichzeitig berühmtesten Tore der WM-Geschichte. Damit war die Vorentscheidung für Englands ersten und bisher einzigen Titelgewinn bei einem großen Endturnier gefallen.

Der Portugiese Eusebio wurde mit neun Toren Torschützenkönig und führte die portugiesische Nationalmannschaft bei ihrer ersten WM-Teilnahme auf den dritten Rang.

Die Schweiz scheiterte in der Vorrunde, Österreich qualifizierte sich erst gar nicht für das Turnier.

Inhaltsverzeichnis

Der Gastgeber

Erstmals fand die Fußball-Weltmeisterschaft im Mutterland des Fußballs statt. Neben England bewarben sich auch Spanien und die BR Deutschland um die Ausrichtung der WM 1966.

Am 22. August 1960 wurde in Rom auf dem Weltkongreß des Fußballs über die Vergabe abgestimmt. Als Spanien kurz vor der Abstimmung seine Kandidatur zurückzog, verblieben nur noch zwei Bewerber. Mit 34:27 Stimmen bei sechs Enthaltungen fiel schlussendlich die Entscheidung zu Gunsten von England aus, die mit ihrem Argument 100 Jahre Fußball in England (Gründung der Football Association 1863) punkten konnten.

Die acht Austragungsorte

Die Austragungsorte der WM 1966
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Die Austragungsorte der WM 1966
  • Wembley-Stadion, London: Das Wembley-Stadion in London war das größte Stadion der WM 1966. Es bot 98.623 Zuschauern Platz und wurde bereits im Vorfeld der WM für sechs Millionen Mark renoviert. Speziell für die WM wurden nur noch kleinere Renovierungen vorgenommen. Im Wembley-Stadion fanden fünf Vorrundenspiele der Gruppe A, ein Viertel-, ein Halbfinalspiel, das Spiel um Platz 3 und das Finale statt.
  • White-City-Stadion, London: Im White-City-Stadion wurde lediglich ein Spiel der Vorrundengruppe A ausgetragen. Da sich der Besitzer des Wembley-Stadions weigerte ein Greyhound-Rennen zu verlegen, wurde für die Partie Frankreich gegen Uruguay ein Ersatzstadion in London nötig. Im White-City-Stadion fanden 54.000 Zuschauer Platz.
  • Villa Park, Birmingham: Im Villa Park zu Birmingham, der Heimstätte des Erstligisten Aston Villa fanden drei Spiele der Gruppe B statt. Für 1,3 Millionen Mark wurde das Stadion renoviert, das Zuschauervermögen wurde von 72.000 auf 55.000 zu Gunsten von Sitzplätzen reduziert.
  • Hillsborough-Stadion, Sheffield: Das Hillsborough-Stadion in Sheffield hatte während der WM 58.000 Plätze. In der Heimstätte von Sheffield Wednesday wurde die Kapazität um 7.000 Plätze zu Gunsten von Sitzplätzen verringert. Die Haupttribüne wurde für 1,5 Millionen Mark neu errichtet, auch ein neues Stahldach bekam das Stadion extra zur WM. Insgesamt wurden 2,5 Millionen Mark für die Renovierung des Stadions ausgegeben. Neben drei Vorrundenspielen der Gruppe B fand auch ein Viertelfinalspiel im Hillsborough statt.
  • Goodison Park, Liverpool: Der Goodison Park war mit 64.000 Plätzen das zweitgrößte Stadion der Fußball-WM 1966. Auch die Heimstätte des FC Everton wurde um 4.000 Plätze reduziert um mehr Sitzplätze zu haben. Im Goodison Park fanden drei Spiele der Gruppe C, ein Viertelfinalspiel und eine Paarung des Halbfinales statt.
  • Old Trafford, Manchester: Im Old Trafford, der Heimat des Fußballclubs Manchester United, fanden 58.000 Zuschauer während der WM Platz. Um mehr Sitzplätze zu haben wurde das Fassungsvermögen um 9.000 Plätze reduziert. Insgesamt wurde 1 Million Mark in die Renovierung gesteckt. Das Old Trafford war Schauplatz von drei Vorrundenspielen der Gruppe C.
  • Roker Park, Sunderland: Im Roker Park zu Sunderland fanden während der WM 54.000 Zuschauer Platz. Für 700.000 Mark wurden zur WM ein neues Restaurant und neue Presseräume gebaut sowie die Gesamtkapazität um 10.000 Plätze gesenkt. Im Heimatstadion des FC Sunderland fanden drei Vorrundenspiele der Gruppe D und ein Viertelfinalspiel statt.
  • Ayresome Park, Middlesbrough: Der Ayresome Park war mit 40.000 Plätzen das kleinste Stadion der WM 1966. Die Zuschauerkapazität wurde im Heimatstadion des FC Middlesbrough um 9.000 gesenkt. Die Renovierungskosten betrugen insgesamt 1,2 Millionen Mark. Das Stadion war Austragungsplatz von drei Partien der Gruppe D.

Qualifikation

71 Nationen meldeten ihre Teilnahme an der Qualifikation zur WM 1966, was ein neuer Teilnehmerrekord war. England als Gastgeber und Brasilien als Titelverteidiger waren bereits automatisch qualifiziert, wodurch 69 Nationen um insgesamt 14 freie Plätze spielten.

Alle afrikanischen Mannschaften zogen ihre Bewerbung zurück, nachdem sie lediglich einen Platz gemeinsam mit Asien und Ozeanien bekommen sollten. Europa standen neun Qualifikationsplätze zu, Südamerika drei. Den nord- und mittelamerikanischen Ländern wurde lediglich ein Platz zugestanden.

Die größten Überraschungen waren das Scheitern der Vize-Weltmeister von 1958 (Schweden) und 1962 (Tschechoslowakei). Mit Nordkorea und Portugal waren zwei Nationalmannschaften erstmals bei einer WM-Endrunde dabei.

Teilnehmer

Nach 127 Qualifikationsspielen standen folgende Mannschaften für die WM-Endrunde fest:

9 aus Europa Bulgarien Bulgarien BR Deutschland BR Deutschland Frankreich Frankreich Portugal Portugal Schweiz Schweiz
  Ungarn Ungarn Sowjetunion Sowjetunion Italy Italien Spain Spanien  
3 aus Südamerika Uruguay Chile Argentinien    
1 aus Nord- und Mittelamerika Mexiko        
1 aus Asien und Afrika Nordkorea Nordkorea        
Titelverteidiger : Brasilien     Gastgeber : England

Modus

Der Turniermodus blieb im Vergleich zur WM 1962 in Chile unverändert. Die 16 Teilnehmer traten in vier Vorgruppen mit je vier Mannschaften an. Jeder spielte einmal gegen jeden. Für einen Sieg gab es zwei Punkte, für ein Unentschieden einen Punkt. Bei Punktgleichstand entschied das bessere Torverhältnis über die Platzierung, war auch dieses gleich musste das Los entscheiden.

Die beiden Ersten jeder Gruppe qualifizierten sich für das Viertelfinale. Ab dem Viertelfinale wurde das Turnier im K.-o.-System ausgetragen. Im Viertelfinale traf jeweils ein Gruppenerster auf einen Gruppenzweiten.

Stand in einem Spiel der K.-o.-Runde nach 90 Minuten kein Sieger fest, wurde eine zwei Mal 15-minütige Verlängerung gespielt. Stand es auch nach dieser Zusatzzeit Unentschieden wurde wieder das Los zur Entscheidung herangezogen. Im Finale wurde diese Regelung aufgehoben. Wenn nach dem ersten Finalspiel kein Sieger feststand, wurde ein Wiederholungsspiel angesetzt. Stand auch nach diesem kein Sieger fest, wäre das Los zum Einsatz gekommen.

Auslosung

Die Gruppenauslosung fand am 6. Januar 1966 im Royal-Garden-Hotel in London statt. Das Organisationskomitee einigte sich am Vorabend auf vier Lostöpfe à vier Mannschaften.

  • Topf 1: England (Ausrichter), Brasilien (Titelverteidiger), Argentinien, Chile
  • Topf 2: BR Deutschland, Sowjetunion, Ungarn, Uruguay
  • Topf 3: Frankreich, Italien, Portugal, Spanien
  • Topf 4: Bulgarien, Mexiko, Nordkorea, Schweiz

England wurde in Gruppe A als Gruppenkopf gesetzt, um das Eröffnungsspiel bestreiten zu dürfen. Nach 15 Minuten war die Auslosung vorüber und es standen die vier Gruppen fest.

Spiele

Vorrunde

Für Infos zu den einzelnen WM-Gruppen bzw. zu den einzelnen Spielen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
England Argentinien Brasilien Chile
Uruguay BR Deutschland Ungarn Sowjetunion
Frankreich Spanien Portugal Italien
Mexiko Schweiz Bulgarien Nordkorea


Gruppe A

Rang Land Tore Punkte
1 England 4:0 5:1
2 Uruguay 2:1 4:2
3 Mexiko 1:3 2:4
4 Frankreich 2:5 1:5
11. Juli 1966 in London
England - Uruguay 0:0
13. Juli 1966 in London
Frankreich - Mexiko 1:1 (0:0)
15. Juli 1966 in London
Uruguay - Frankreich 2:1 (2:1)
16. Juli 1966 in London
England - Mexiko 2:0 (1:0)
19. Juli 1966 in London
Mexiko - Uruguay 0:0
20. Juli 1966 in London
England - Frankreich 2:0 (1:0)

England meisterte die Vorrunde erwartungsgemäß. Nach einem torlosen Auftakt gegen Uruguay konnten sowohl Mexiko als auch Frankreich mit jeweils 2:0 bezwungen werden. Mit den gezeigten Leistungen waren die englischen Fans nicht zufrieden, der ersehnte WM-Titel schien nach diesem Start nicht erreichbar.
Uruguay konnte in der Vorrunde den zweiten Platz erreichen und sich somit für das Viertelfinale qualifizieren. Durch ein Unentschieden gegen England und einen Sieg gegen Frankreich hatte man praktisch das Viertelfinale schon erreicht. Durch ein torloses Unentschieden gegen Mexiko verschenkten die Charrúas allerdings den möglichen Gruppensieg. Das Spielweise des zweimaligen Weltmeisters wurde als äußerst defensiv und hart kritisiert.
Mexiko blieb seiner Tradition treu und schied wie bei allen vorangegangen Weltmeisterschaften in der Vorrunde aus. Mit Antonio Carbajal hatte man zumindest einen Spieler im Kader, der seine fünfte WM absolvierte und einen bis heute nicht übertroffenen Rekord aufstellte.
Frankreich konnte bei seiner ersten Teilnahme nach dem dritten Platz von 1958 nicht an diese Leistung anschließen. Lediglich einen Punkt gegen Mexiko aus dem Auftaktspiel hatte man am Ende auf dem Konto.

Gruppe B

Rang Land Tore Punkte
1 BR Deutschland 7:1 5:1
2 Argentinien 5:2 5:1
3 Spanien 4:5 2:4
4 Schweiz 1:9 0:6
12. Juli 1966 in Sheffield
BR Deutschland - Schweiz 5:0 (3:0)
13. Juli 1966 in Birmingham
Spanien - Argentinien 1:2 (0:0)
15. Juli 1966 in Sheffield
Spanien - Schweiz 2:1 (0:1)
16. Juli 1966 in Birmingham
BR Deutschland - Argentinien 0:0
19. Juli 1966 in Sheffield
Argentinien - Schweiz 2:0 (0:0)
20. Juli 1966 in Birmingham
BR Deutschland - Spanien 2:1 (1:1)

Die BR Deutschland zeigte zum Auftakt eine tolle Leistung, als die Schweiz mit 5:0 bezwungen werden konnte. Durch ein 0:0 gegen Argentinien und einem 2:1 Erfolg über Spanien konnte man sich den Gruppensieg holen. In der Vorrunde fiel insbesondere der erst 21-jährige Franz Beckenbauer auf.
Argentinien konnte zum Auftakt die Spanier schlagen und legte somit den Grundstein für das Erreichen des Viertelfinales. Am Ende musste man sich lediglich durch das schlechtere Torverhältnis gegenüber der BRD mit Rang 2 begnügen.
Spanien konnte, obwohl mit Stars aus der heimischen Primera Division und der Serie A bestückt nicht das Viertelfinale erreichen. Nach einer Niederlage gegen Argentinien und einem glücklichen 2:1 Sieg über die Schweiz verlor man das entscheidende Spiel gegen die deutsche Elf mit 1:2 und schied in der Vorrunde aus.
Die Schweiz stieß bei diesem Turnier an ihre Grenzen. Ohne große Einzelkönner konnten die Schweizer den etablierten Nationalteams nicht Paroli bieten. Insbesondere die schwachen Abwehrleistungen machten eine Überraschung der Schweizer unmöglich.

Gruppe C

Rang Land Tore Punkte
1 Portugal 9:2 6:0
2 Ungarn 7:5 4:2
3 Brasilien 4:6 2:4
4 Bulgarien 1:9 0:6
12. Juli 1966 in Liverpool
Brasilien - Bulgarien 2:0 (1:0)
13. Juli 1966 in Manchester
Portugal - Ungarn 3:1 (1:0)
15. Juli 1966 in Liverpool
Brasilien - Ungarn 1:3 (1:1)
16. Juli 1966 in Manchester
Portugal - Bulgarien 3:0 (2:0)
19. Juli 1966 in Liverpool
Portugal - Brasilien 3:1 (2:0)
20. Juli 1966 in Manchester
Ungarn - Bulgarien 3:1 (2:1)

Portugal überraschte als Neuling positiv. Mit mutigem Angriffsfußball, angeführt von Eusébio, konnten die Portugiesen als Gruppenerster den Einzug unter die letzten Acht feiern. Alle drei Spiele wurden überzeugend gewonnen, im letzten Gruppenspiel bezwang man den amtierenden Weltmeister und sorgte so für dessen sensationelles Vorrundenaus.
Ungarn konnte sich ebenso wie Portugal überraschend vor Brasilien platzieren. Mit Flórián Albert, Ferenc Bene und Gyula Rákosi verfügten die Ungarn über ein großes Angriffspotential das sich für den Einzug in die nächste Runde hauptverantwortlich zeigte.
Brasilien schied als amtierender Weltmeister bereits in der Vorrunde aus. Die überalterte Mannschaft war nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden Pelés nicht in der Lage gegen Ungarn und Portugal einen Sieg zu erringen. Mit dem Ausscheiden Brasiliens war der Titelfavorit überraschend eliminiert.
Bulgarien kam in der Gruppe 3 nicht über die Rolle des Statisten hinaus. Wie schon bei der WM 1962 schied die bulgarische Mannschaft als Tabellenletzter aus.

Gruppe D

Rang Land Tore Punkte
1 Sowjetunion 6:1 6:0
2 Nordkorea 2:4 3:3
3 Italien 2:2 2:4
4 Chile 2:5 1:5
12. Juli 1966 in Middlesbrough
Sowjetunion - Nordkorea 3:0 (2:0)
13. Juli 1966 in Sunderland
Italien - Chile 2:0 (1:0)
15. Juli 1966 in Middlesbrough
Chile - Nordkorea 1:1 (1:0)
16. Juli 1966 in Sunderland
Sowjetunion - Italien 1:0 (0:0)
19. Juli 1966 in Middlesbrough
Italien - Nordkorea 0:1 (0:1)
20. Juli 1966 in Sunderland
Sowjetunion - Chile 2:1 (1:1)

Die Sowjetunion spielte die Vorrunde souverän. Alle drei Spiele konnten gewonnen werden, dabei kassierte man lediglich ein Gegentor. Ohne eine spektakuläre Spielweise sondern mit nüchternen und soliden Leistungen rückte die Sowjetunion ungefährdet in die nächste Runde vor.
Nordkorea war die Überraschnungsmannschaft der Vorrunde. Als absoluter Außenseiter gestartet und spätestens nach der 0:3-Niederlage gegen die Sowjetunion als chancenloser Exot belächelt zeigten die Nordkoreaner eine nicht für möglich gehaltene Leistung, indem sie zunächst gegen Chile sich einen Punkt erkämpften, bevor sie die italienischen Superstars mit 1:0 schlugen und somit unter die letzten Acht vorrückten.
Italien schied absolut überraschend nach der Vorrunde aus. Nach einem Sieg über Chile und einer knappen Niederlage gegen die Sowjetunion rechnete die komplette Fachwelt mit einem ungefährdeten Sieg gegen die Nordkoreaner. Doch durch eine sensationelle 0:1-Niederlage war für die Squadra Azzurra bereits nach der ersten Runde Schluß.
Chile war nicht in der Lage an die Leistung im vorhergegangen Turnier anzuschließen. Als WM-Dritter angereist schied man als Tabellenletzter mit nur einem Punkt aus.

Viertelfinale

Im Viertelfinale setzten sich in allen Partien die Gruppenersten durch.

In der Partie zwischen Gastgeber England und Argentinien wurde der deutsche Schiedsrichter Rudolf Kreitlein unfreiwillig Hauptdarsteller. Nachdem er den Argentinier Antonio Rattín bereits nach einer halben Stunde vom Platz stellte und somit den Engländern einen großen Vorteil verschaffte, den diese auch nutzen konnten. Besonders in der argentinischen Presse wurde Kreitlein nach dieser Partie angefeindet.

Die BR Deutschland überrollte Uruguay mit 4:0. Zwei Platzverweise gegen die Urus kurz nach der Pause machten es für die deutsche Mannschaft allerdings leichter ein hohes Resultat herauszuspielen. Es trafen Haller (11., 83.), Beckenbauer (70.) und Seeler (75.).

Das Spiel Portugal gegen Nordkorea ging als eines der dramatischsten Spiele in die WM-Geschichte ein. Nach 25 Minuten führte Nordkorea bereits mit 3:0 und alles sah danach aus, als ob der Außenseiter seinen unglaublichen Siegeszug fortsetzen könnte, doch Eusébio stoppte die Asiaten im Alleingang. Zunächst erzielte er vier Treffer zwischen der 27. und 59. Minute selbst, den fünften bereitete er vor. Portugal zog dadurch bei seiner ersten WM-Teilnahme ins Halbfinale ein.

Die Sowjetunion konnte sich auch im Viertelfinale durchsetzen. Den Ungarn gelang es nicht ihre Leistung aus der Vorrundenpartie gegen die Brasilianer erneut abzurufen. Die Russen gewann dank ihrer starken Defensive um Torhüter Lew Jaschin und ihrer schnellen Sturmspitzen wodurch sich immer wieder Kontermöglichkeiten ergaben.

23. Juli 1966 London England - Argentinien 1:0 (0:0)
23. Juli 1966 Sheffield BR Deutschland - Uruguay 4:0 (1:0)
23. Juli 1966 Liverpool Portugal - Nordkorea 5:3 (2:3)
23. Juli 1966 Sunderland Sowjetunion - Ungarn 2:1 (1:0)

Halbfinale

Die deutschen Elf erreichte mit dem Sieg über die Sowjetunion das zweite Mal ein WM-Finale. Die Treffer erzielten die beiden besten deutschen Spieler des Turniers. Helmut Haller in der 43. Minute und Franz Beckenbauer erhöhte den Spielstand in der 68. Minute auf 2:0. Der Anschlußtreffer der UdSSR in der 88. Minute durch Porkujan kam zu spät.

Die Engländer setzten sich gegen Portugal mit 2:1 durch. Portugal war England zwar zumeist ebenbürtig, doch die Engländer verstanden es zählbares aus ihren Spiezügen zu machen. Zudem wurde Eusébio erfolgreich von Nobby Stiles in Manndeckung genommen. Sein achtes Turniertor erzielte der portugiesische Stürmerstar dennoch, allerdings erst in der 82. Minute per Elfmeter zum 1:2 Endstand.

25. Juli 1966 Liverpool BR Deutschland - Sowjetunion 2:1 (1:0)
26. Juli 1966 London England - Portugal 2:1 (1:0)

Spiel um Platz 3

Im Spiel um Platz 3 schlossen die Portguiesen ihre WM-Premiere mit dem dritten Platz ab. Das Siegtor der Portugiesen fiel erst in der 88. Minute. Während der Partie war beiden Mannschaften die Enttäuschung über den verpassten Finaleinzug anzusehen.

28. Juli 1966 London Sowjetunion - Portugal 1:2 (1:1)

Finale

Das Finale der WM 1966 zwischen England und der Bundesrepublik Deutschland begann furios. Bereits nach 20 Minuten stand es durch Tore von Helmut Haller (13.) und Geoff Hurst (18.) 1:1. Zwölf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit konnten die Engländer durch Martin Peters in Führung gehen, doch dem deutschen Verteidiger Wolfgang Weber gelang in der Nachspielzeit noch der Ausgleich. In der 101. Minute fiel dann das legendäre Wembley-Tor. Der Schuß von Hurst sprang an die Unterkante der Latte, von dort aus fast senkrecht zu Boden bevor er von Weber aus dem Feld geköpft wurde. Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst entschied nach Rücksprache mit seinem Linienrichter Tofik Bachramow auf Tor. Von diesem 3:2 konnten sich die Deutschen nicht mehr erholen und Hurst erhöhte in der Schlussminute der zweiten Halbzeit der Verlängerung noch auf 4:2.

England war damit zum ersten und bislang einzigen Mal Fußball-Weltmeister.

30. Juli 1966 London England - BR Deutschland 4:2 n.V. (2:2, 1:1)

Weltmeister England

Die Weltmeistermannschaft: ordon Banks; George Cohen, Bobby Moore, Ramon Wilson; Jack Charlton, John Connelly, Terence Paine, Nobby Stiles; Alan Ball, Ian Callaghan, Bobby Charlton, Jimmy Greaves, Roger Hunt, Geoff Hurst, Martin Peters.

Statistik

Beste Torschützen

Name Land Tore
Eusebio Portugal 9
Helmut Haller Deutschland 6
Franz Beckenbauer Deutschland 4
Ferenc Bene Ungarn 4
Geoff Hurst England 4
Valeri Porkujan Sowjetunion 4

Die Stars der Weltmeisterschaft

Fazit

Die WM 1966 war im Vergleich zur WM 1962 ein deutlicher Fortschritt. Während sich vier Jahre zuvor wahre Schlachten auf den Spielfeldern abspielten, wurden die Partien wieder mit mehr Fairness und Sportgeist geführt. Zwar gab es fünf Platzverweise, vier davon verteilten sich aber alleine auf die beiden südamerikanischen Mannschaften aus Uruguay und Argentinien, die mit ihrer harten Gangart Negativschlagzeilen hervorriefen. Das 2-3-5-System, das bei der WM 1962 noch größtenteils praktiziert wurde, wurde vier Jahre später nicht mehr angewandt und durch das 4-3-3 und 4-2-4-System abgelöst

Mannschaften, die bei dieser WM auf eine totale Defensivtaktik gesetzt hatten, wurden dafür abgestraft. Weder Italien noch Chile oder Uruguay konnten in diesem Turnier für Impulse sorgen. Geprägt wurde diese WM von jenen Mannschaften, die es verstanden auf die Offensive zu setzen, allen voran Portugal (17 Treffer in sechs Partien) und Deutschland (15 Treffer in sechs Partien). Trotzdem blieb der Schnitt der erzielten Tore pro Partie dem gegenüber von 1962 unverändert (2,8), was vor allem daran lag, dass es keine Mannschaft gab, die chancenlos war. Selbst "Fußballzwerge" wie Nordkorea verstanden es die Partien ausgeglichen zugestalten.

Literatur

  • Bertelsmann Sportredaktion/Sport-Informations-Dienst: VIII. Fussball-Weltmeisterschaft England 1966, C. Bertelsmann Verlag, 1966
  • Dr. Friedebert Becker: Fußball Weltmeisterschaft 1966, Copress-Verlag, 1966
  • Günter Simon: Fußball-Weltmeisterschaft - England 1966, Sportverlag Berlin, 1966
  • Ernst Huberty: Fussball-Weltmeisterschaft 1966, Lingen-Verlag, 1966
  • Fritz Walter: Wie ich sie sah.. - Die Spiele zur Weltmeisterschaft in England 1966, Copress Verlag, 1966
  • Süddeutsche Zeitung WM-Bibliothek: 1966 England, 2006, ISBN 3897842084
  • Olaf Edig, Daniel Meuren, Nicole Selmer: Fußballweltmeisterschaft 1966 in England, Agon Sportverlag, 2006, ISBN 3-89784-208-4
  • Raphael Keppel: World Cup - 8. Fußball-Weltmeisterschaft 1966 in England, 1991, ISBN 3861250071

Weblinks


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Fußball-Weltmeisterschaft_1966 (http://de.wikipedia.org/wiki/Fußball-Weltmeisterschaft_1966) aus der deutschsprachigen Wikipedia (http://de.wikipedia.org) in der Version vom 31. August 2005. Eine Liste der Hauptautoren (History) gemäß GNU FDL ist hier (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fußball-Weltmeisterschaft_1966&action=history) zu finden.
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