Verliert der englische Fußball seine Seele?

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Ein Kommentar zur Lage des modernen Spiels
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Ein Kommentar zur Lage des modernen Spiels

9. Oktober 2007 - Roy Keane war immer schon ein sportliches Rätsel - ein hartnäckiger und aggressiver Mittelfeldspieler, der sich niemals fürchtete seine Zeichen zu hinterlassen oder seine zahlreichen und unterschiedlichen Meinungen zu allem kundzutun, von der Qualität der Vorbereitung der früheren Fußballweltmeisterschaft seines Landes bis hin zur Rechtfertigung für vergangene Indiskretionen (man beachte seine freizügigen Äußerungen zu einem Horror Derby von Manchester im Jahr 2001, die zu Schlagzeilen führten).


Seitdem fährt er fort Dinge zu sagen und zu tun, die Kontroversen und Schlagzeilen verursachen. Eines ist sicher und das ist, dass er es immer schafft, von sich reden zu machen. Kürzlich behauptete er, dass Fußball, der Sport, der von Millionen Menschen auf der ganzen Welt geliebt wird, “seine Seele verlieren” würde. Hat er Recht?


Im Oktober 2006 hatte sich der neue Manager des FC Sunderland eingewöhnt und den Club nach einem teilweise armseligen Start in die Saison, was ihm ordentliche Verluste eingebracht hatte, wieder stabilisiert. Die Mannschaft positionierte sich während der Meisterschaft im Mittelfeld der englischen Zweiten Liga. Der Norden von England wird oft als die Brutstätte des Fußballs beschrieben und Sunderland kann stolz darauf sein in der großartigen Light Arena, die 49.000 Zuschauer fasst, zu spielen. Seit ihr neuer Manager ein gewisser Roy Keane ist, konnten sie ebenso stolz darauf sein, einen ausgezeichneten und zielstrebigen Ex-Nationalfußballspieler am Ruder zu haben.


Der Oktober 2007 offenbarte die Früchte von einem Jahr Arbeit und zeigte ein völlig anderes Szenario


Roy Keane hat sich gut eingelebt, man hatte sich selbst befreit ungeachtet einer gleichermaßen durchschnittlichen Eröffnung einer neuen Saison, und das obwohl diese Zeit gekennzeichnet war von vier verlorenen Spielen. Der andere entscheidende Unterschied ist, dass Sunderland nun an Englands erstem Tisch diniert, sie spielen nun in der Ersten Liga und sind Teil von Englands Fußball-Elite. Das ist wohl die Art von Geschichte, die der kürzlich geäußerten Meinung ihres Trainers, dass Fußball nämlich “seine Seele verlieren” würde, widerspricht. Oder ist vielleicht der Aufstieg des FC Sunderland ein Ausnahmefall, der diese These festigt?


Der 2007er Bericht über die Finanzen des Fußballs von Deloitte stellt fest, dass die Einnahmen der Ersten Englischen Liga im Jahr 2007/08 2,5 Milliarden Euro übersteigen werden (was wahrscheinlich eine Milliarde Euro mehr als die nächst höherverdienende Liga sein wird). Die Buchhalter scheinen glücklich zu sein und die Mehrzahl der Erstligisten auch – insbesondere, wenn man die Summen betrachtet, die diesen Sommer für Transfer-Honorare verschwendet wurden. Beide Clubs in Manchester, ebenso wie Liverpool, Tottenham Hotspur und West Ham United wurden so gut gemanagt, dass jeder von ihnen mehr als 40 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben konnten (in einigen Instanzen war es sogar signifikant mehr).


Sind die Finanzen, um die es sich im Fußball dreht schon Teil der Ursache warum dieser nicht den gleichen Spirit wie in vorherigen Jahren verbreitet?


Kürzliche Übernahmen von Erstligisten-Clubs ließen ein Fußball-Team aussehen wie das “must-have”-Accessoire eines Millionärs-Clubs. Der russische Milliardär Roman Abramovich schien diesen Trend auszulösen und butterte Geld in das ziemlich bodenlose Fass des FC Chelsea. Einige Clubs befinden sich nun in reichem ausländischen Besitz. Aber ist das genug, um zu glauben, dass die Passion und Stärke des englischen Fußballs hinfort gefegt wäre?


Mit größerer Besorgnis ist da jedoch der Anstieg der Ticketpreise zu sehen. Der normale Fußballfan, der zur Unterstützung seines Teams bei Regen und Sonnenschein Lieder singt, scheint einer aussterbenden Spezies anzugehören. Es würde für einen weiteren Blick nicht schaden, wenn man seine beiden Söhne zu einem Erstligistenspiel mitbringt, um festzustellen, dass drei Tickets schnell mal 150 Euro kosten. Die Diskussion dreht sich derzeit um den Preis für solche Tickets und wie viel Wert für dieses Geld derzeit geboten wird. Der Grad der Besorgnis ist derart, dass vor wenigen Wochen sowohl Chelsea FC und Blackburn Rovers Maßnahmen ergriffen und die Ticketpreise für einmalige Spiele reduziert haben, um wieder eine größere Masse an Menschen anzuziehen.


Eine schwindende Leidenschaft auf den Tribünen könnte mit besorgniserregender Unlust auf dem Spielfeld kompensiert werden. Jüngste Kommentare von Keane vermitteln den Eindruck und die Befürchtung, dass “es dieser Tage Spieler gibt, die den Fußball nicht lieben… da gibt es Menschen, die spielen, ohne, dass es ihnen nicht wichtig ist”. Der durchschnittliche Erstligisten-Spieler kann erwarten, dass er, laut eines Artikels des “The Independent” und der Profi-Fußball-Gesellschaft, etwa eine Million Euro im Jahr an Gehalt verdienen wird. Das wirft die gefürchtete Frage auf, ob es ihnen gleich ist, was sie derzeit tun, ob die Wochenend-Schalgzeilen einen 1:0 Gewinn oder eine 1:0 Niederlage verkünden - trotzdem, egal ob bei Sieg oder Niederlage lachen diese Spieler auf ihrem Weg zur Bank.


Seit Beginn der Ersten Liga im Jahr 1992 und dem Erreichen von Fußballübertragungen in einer beispiellosen Zahl wird Fußball mehr und mehr als ein Geschäft gesehen. Diese Entwicklung hat einige Führungskräfte und Fußballclub-Direktoren dazu veranlasst, die Unterstützer ihrer Teams als “Kunden” anzusehen – ich kann mir nicht vorstellen, dass das eine Formulierung ist, die die Fans allzu sehr erfreut. Aber der Begriff ist ein gutes Stichwort für eine abschließende Warnung.


Wenn Fußball-Fans jetzt Kunden sind, dann müssen jene die sie bedienen, also der Fußball, vorsichtig sein. Wenn diese Kunden weiter über den Preis ausgebootet werden oder ihnen weiter ein Sub-Standard angeboten wird, dann wird bald Ärger am Horizont aufziehen. Mit Geld kann man viele Dinge kaufen, aber keine Liebe.

Autor: John Patrick Boland, Quelle Readers Edition, Lizenz Creative Commons

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