WM-Fazit
aus Worldcupwiki
Alle 64 Spiele der Weltmeisterschaft in Deutschland sind gespielt. Zeit für ein Fazit. Der Schweizer Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, Blatter, lobt die Endrunde 2006 als die „beste WM aller Zeiten“. Obwohl insgesamt am zweitwenigsten Tore bei einer WM fielen, feierten Millionen ausgelassen das Spektakel. Wer sind die Superstars der WM 2006? Woran wird man sich auch in ein paar Jahren noch zurückerinnern?
Es heißt immer wieder die WM habe das Gastgeberland grundlegend verändert. Die WM hat auf jeden Fall für ein neues „Wir-Gefühl“ gesorgt und die Deutschen zeigten während der WM-Feiern vermehrt die schwarz-rot-goldenen Fahnen. Das hing auch stark zusammen mit dem unerwarteten Erfolg und dem erfrischenden Spiel der Klinsmann-Elf. Die deutschen Fans zeigten sich als gute Verlierer und feierten den undankbaren dritten Platz wie einen Titelgewinn.
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Beste WM aller Zeiten
Diese tolle Party-Stimmung im Lande und die weitgehend perfekte Organisation des Mega-Ereignisses wurden vom Weltfußballverband FIFA gelobt: „Dies ist die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten.“ sagte FIFA-Präsident Sepp Blatter begeistert. Noch nie sei ein Event so emotional und global dargestellt worden, beschrieb der Schweizer das Turnier der Superlative. Deutschland habe sensationelle Arbeit geleistet: "Das betrifft Atmosphäre und Logistik. Teams und Schiedsrichter werden gut betreut, die Stadien funktionieren perfekt", schwärmte der 70-Jährige.
Die Welt zu Gast bei Freunden
Einen großen Anteil an der erfolgreich ausgerichteten WM hat der „Kaiser“ Franz Beckenbauer. Nachdem er per Hubschrauber bis zu drei Partien pro Tage gesehen und letztendlich 46 der 64 Spiele live in den Stadien erlebt hatte, zog auch er ein durchweg positives Fazit. Millionen Fans hätten weltweit Anteil an dem Großereignis genommen. Auf Deutschland bezogen lieferte das Turnier den Beweis dafür, dass auch die Deutschen euphorisch, ausgelassen und vor allem friedlich feiern könnten, so der Präsident des WM-Organisationskomitee (OK), Beckenbauer. „Es hat alles gepasst. Bei den Fanfesten haben unterschiedliche Rassen und Religionen nebeneinander gestanden. So stellt sich der Liebe Gott die Welt vor, auch wenn wir in der Realität noch 100.000 Jahre davon entfernt sind“, freute sich der OK-Chef über das gelungene Turnier. Franz Beckenbauer hatte zu Beginn des Turniers alle 31 Länder der WM bereist und sie Willkommen geheißen. Nachdem Beckenbauer 1974 als Spieler und 1990 als Trainer Weltmeister geworden ist, hat sich der Bayer nun als WM-Macher in Deutschland, auch ohne WM-Titel im eigenen Land, unsterblich gemacht.
Alle Stadien zu 100 Prozent ausverkauft
Die Stadien waren das erste Mal bei einer Weltmeisterschaft zu 100 Prozent ausgelastet. Insgesamt besuchten 3, 36 Millionen Zuschauer die WM-Spiele live in den zwölf Stadien. Durchschnittlich kamen 52.491 Besucher pro Spiel, nur bei der WM 1994 in den USA (68.991) und bei der WM 1950 in Brasilien (60.773) strömten aufgrund der größeren Stadien im Schnitt mehr Zuschauer in die Arenen. Viele die bei der jetzigen WM kein Ticket mehr für die Spiele ergattern konnten, blieb das Public Viewing. Ca. 16 Millionen Menschen strömten zu den Fan-Festen und feierten gemeinsam vor Großleinwänden.
Insgesamt (kumuliert) haben 32 Milliarden Fernsehzuschauer die WM verfolgt und konnten sich auch ein positives Bild vom Gastgeberland machen. Vor allem auch im Land des Gastgebers war die WM ein Straßenfeger. Den Halbfinalkrimi Deutschland gegen Italien lockte zeitweise 31,31 Millionen Menschen vor den Fernseher und das obwohl viele in Kneipen und vor Großleinwänden nicht mitgezählt wurden. Das ist der höchste Zuschauerwert, der jemals in Deutschland gemessen wurde. Den bisherigen Rekord hielt das WM-Finale von 1990 zwischen Deutschland und Argentinien (28,6 Mio). Alle deutschen Spiele haben die 20-Millionen-Marke durchbrochen. Bei dieser WM haben nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Jugendliche vermehrt Fußball geguckt.
Kritiker verstummt
Alle Befürchtungen der vielen Kritiker der WM und Horrorszenarien sind glücklicherweise nicht wahr geworden. Weder Terroranschläge und abstürzende Flugzeuge wurden zur Wirklichkeit, noch konnten Neonazis das globale Sportereignis als Plattform nutzen. Auch konnten Hooligan-Ausschreitungen mit geschickten präventiven Polizei-Maßnahmen eingedämmt werden. Englische und polnische Hooligans wurden frühzeitig aus dem Verkehr gezogen. Die meisten Probleme bereiteten einige wenige deutschen Randalierer, aber auch dieser Chaoten hatten keine Chance die gute WM-Stimmung zu trüben.
Niedrige Torquote
Sportlich gesehen konnte die WM 2006 allerdings nicht völlig überzeugen. Tolle Spiele mit vielen Toren (wie beim 6:0 von Argentinien gegen Serbien und Montenegro) blieben die Ausnahme. Jedoch lebten viele Spiele von der besonderen Spannung und Dramatik. In das Finale schafften es so die defensivstärksten Mannschaften Italien und Frankreich, die jeweils nur mit einem Stürmer antraten. Italien holte aufgrund der geschlossenen Leistung und der hervorragenden taktischen Einstellung sowie etwas Glück im Elfmeterschießen den Titel. Zudem parierte Torwart Gianluigi Buffon, der zum besten Keeper des Turniers ausgezeichnet wurde, ein ums andere mal weltklasse. Die sonst so großen Ballzauberer aus Südamerika wie Brasilien und Argentinien scheiterten im Viertelfinale.
Da bei dieser WM insgesamt gesehen die Abwehrreihen und das kompakte Mittelfeld dominierten, blieb die Trefferausbeute mager. In den 64 Länderspielen wurden insgesamt 147 Tore erzielt (ohne Elfmeterschießen). Dies entspricht einem Schnitt von 2,30 Treffern pro Partie. Nur bei der WM in Italien, die mit dem dritten deutschen Titelgewinn endete, wurde mit 2,21 ein schlechterer Durchschnitt erzielt.
Zidane zum besten Spieler gewählt
Mit einer Roten Karte beendete Zinedine Zidane seine Laufbahn bei der französischen Nationalmannschaft. Am Montag wurde er von Journalisten zum besten Spieler der WM gewählt. Seine Leistungen waren in der Tat hervorragend. Ihm alleine hat es seine Französische Mannschaft zu verdanken, dass sie es ins Finale schaffte. Und auch im Endspiel blitze das enorme Können des genialen Mittelfeld-Regisseurs der "Équipe Tricolore" auf - etwa bei seinem wunderbar verwandelten Elfmeter, als er den Ball unhaltbar ins Tor von Gianluigi Buffon schlenzte.
Doch der Abgang des Franzosen, der bereits vor dem Turnier klargestellt hatte, dass er nach der WM nicht mehr für die "Bleus" (Blauen) spielen will, wird aus einem anderen Grund in Erinnerung bleiben. Er ratstete in der Verlängerung aus und attackierte seinen Gegenspieler. Dem Schiedsrichter blieb keine andere Wahl, als den besten französischen Fußballer aller Zeiten mit einer Roten Karte vom Platz zu schicken. Trauriger hätte Zinedine Zidanes Abgang nicht sein können.
Der goldene Schuh geht an Miroslav Klose
Bei der geringen Trefferausbeute konnte sich der deutsche Nationalstürmer Miroslav Klose mit fünf Treffern die Torjägerkrone holen und so zum Superstar der WM werden. Der Bundesliga-Torschützenkönig spielte eine starke WM und rangiert mit nun insgesamt zehn WM-Treffern in der ewigen deutschen WM-Torjägerliste schon auf Rang drei und liegt nur noch einen Treffer hinter Klinsmann. Aber für den Gewinn des "Goldenen Schuhs" brauchte er auch nur fünf Tore, so wenig wie seit der WM 1962 nicht mehr. Klose ist er der zweite deutsche WM-Torschützenkönig nach Gerd Müller 1970. Die Superstars wie Ronaldinho, Hernan Crespo oder Ronaldo konnten bei diesem Turnier nicht so überzeugen. Der 34-jährige Zinedine Zidane ließ zwar immer wieder sein Können aufblitzen, doch sein unschöner Abgang im Finale nach einer Tätlichkeit bleibt in Erinnerung. In der Offensive war kein Spieler besser als Klose.
Prinz Poldi bester Nachwuchskicker
Kloses 21-jähriger Sturmkollege Lukas Podolski wurde von der FIFA zum besten Nachwuchsspieler ausgezeichnet. Er erhielt die Ehrung nicht zuletzt wegen seiner drei Tore im Turnier. Neben Podolski waren 39 weitere Spieler nominiert. In der Endausscheidung der letzten sechs Kandidaten standen außerdem Lionel Messi (Argentinien), Luis Valencia (Ecuador), Tranquillo Barnetta (Schweiz), Cristiano Ronaldo (Portugal) und Francesc Fà bregas (Spanien). Auch wenn die deutsche Mannschaft nur Dritter wurde, haben so wenigstens zwei Spieler herausgeragt und eine Auszeichnung erhalten. Der Traum der Klinsmann-Elf vom vierten WM-Titel platzte zwar unglücklich gegen den späteren Weltmeister Italien im Halbfinale, aber der Offensivfußball, der tolle Einsatz und die jungen Spieler entfachten die Euphorie. „Sie haben sich um Deutschland unendlich verdient gemacht“, lobte Bundeskanzlerin Merkel. Das Auftreten des DFB-Teams habe Vorbildcharakter. Klose, Ballack, Lahm und Co. sorgten im ganzen Land für eine Aufbruchsstimmung, die man den Deutschen als ständigen Nörglern und Pessimisten kaum noch zugetraut hatte.
Mr. Wong
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