Zenit auf dem Zenit

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St. Petersburg ist russische Nummer Eins
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St. Petersburg ist russische Nummer Eins

13. November 2007 - Zenit St. Petersburg ist zum ersten Mal seit 23 Jahren nationaler Fußballmeister Russlands. Mit einem 1:0-Auswärtssieg gegen Saturn Ramenskoje sicherte sich das Team des holländischen Trainers Dick Advocaat mit zwei Punkten Vorsprung den Titel vor Spartak Moskau.


Die russische Premier-Liga hat mit dem gestrigen Spieltag ihre Saison beendet. Zenit gewann mit 61 Punkten. Spartak, wo man noch lange auf einen Titelgewinn gehofft hatte, folgte mit 59 Punkten vor dem Drittplazierten, ZSKA aus Moskau mit 53 Zählern. Abgestiegen sind mit Kuban Krasnodar und FK Rostow zwei Clubs aus Südrussland.


1925 als Werksverein der Leningrader Metallwerke gegründet, hatte der Klub bis 1940 die Bezeichnung “Stalinez” inne. Der FC Zenit wird heute von vielen Petersburgern schier vergöttert, was zum Teil auch daran liegen kann, dass er der einzige große Fußballverein der Stadt, ja ganz Nordrusslands ist. So ist die Leidenschaft der Zenitfans auch durch die Gegnerschaft zur allmächtigen Krake Moskau zu begreifen. Auf allen Gebieten des Lebens hat Moskau in Russland die Nase vorn, so auch im Fußball. Schlimmer noch als in der vom Zentralismus bestimmten englischen Premier League liefert die Hauptstadt und ihre Umgebung der russischen Premierliga sieben Vereine. Aus der nördlichen Metropole kommt allein Zenit und versucht, die Moskauer Hegemonie zu durchbrechen. Gelungen ist dies bis jetzt nur selten – ein Mal konnte Zenit den Landespokal der UdSSR holen.


Erstaunlicherweise war dies 1944, als Leningrad sich gerade erst von der Belagerung befreit hatte. Das letzte und bisherige einzige Mal Meister wurde Zenit vor 23 Jahren - 1984.


Der Aufwärtstrend in jüngerer Zeit konnte schon an gewissen Achtungserfolgen bemerkt werden: 1999 holte man den Landespokal, 2003 wurde die Vizemeisterschaft errungen. 2006 machten die Blauweißblauen Europa auf sich aufmerksam, als sie bis ins Viertelfinale des UEFA-Pokals vordrangen und sich dort dem künftigen Cupgewinner Sevilla geschlagen geben mussten. Die Grundlagen zum Erfolg hatte der (inzwischen leider verstorbene) Trainer Juri Morosow * Юрий Морозов gelegt. 2003 wurde er von dem Tschechen Vlastimil Petrzela abgelöst, der Zenit prompt zur Vizemeisterschaft führte. Der exzentrische, elegante Pan Petrzela gewann mit seiner offenen, ehrlichen Art die Herzen der Zenit-Anhänger, die ihm sogar sein so gut wie unverständliches Russisch verziehen. Petrzela verpasste der Mannschaft einen schnellen, abwechslungsreichen, offensiven Fußballstil. Nach Ende der WM in Deutschland kam dann Dick Advocaat. Er vermochte es, das vorhandene Potenzial zu bündeln und effektiv auftreten zu lassen. Zwar verschwand mit ihm die Eleganz und Frechheit des tschechischen Fußballlehrers. Zenit spielt heute so, wie sein Coach aussieht, nun aber eben erfolgreich und effizient.


Dieser neue Pragmatismus passt haargenau zum Profil des Sponsors, der hinter dem Erfolg an der Newa-Metrople steht: Gazprom. Der Gasgigant hat sich sein Fußballaushängeschild interessanterweise nicht in der Hauptstadt gesucht, sondern investiert seit knapp zehn Jahren enorme Summen in Zenit (in der Zwischensaison gab man 27 Millionen Euro für neue Spieler aus) und will dafür nichts als Siege sehen.


Gazprom baut für Zenit zudem ein supermodernes Stadion mit 62.000 Plätzen. Die von dem japanischen Stararchitekten Kisho Kurokawa in Form eines Weltraumschiffs entworfene Arena wird anstelle des abgerissenen legendären Kirow-Stadions entstehen, wo Zenit in seinen besten Zeiten bis zu 110.000 Zuschauer anlockte. Bereits zu Saisonbeginn 2009 soll der Neubau fertig sein. Dann hätte Zenit das modernste Stadion Russlands und könnte so manches Länderspiel aus Moskau entführen. Zusammen mit der errungenen Meisterschaft ist das schon ein massiver Angriff auf die Moskauer Vorherrschaft. Von Gazproms ehrgeizigen Ambitionen hat man mittlerweile auch in Deutschland Wind bekommen. Der milliardenschwere Einstieg des Energiehändlers bei Schalke 04 war die Sensation der Saison. Doch die strategische Konzeption macht nicht am Pott halt. Neben den “Knappen” wurde auch der ukrainische Spitzenverein Schachtar Donezk in das imperiale Spinnennetz eingewoben. Erste Frucht dieser Zusammenarbeit ist der Wechsel des ukrainischen Nationalspielers Anatoli Timostschuk zu Zenit. Der Transfer wurde mit 20 Millionen Dollar der bisher teuerste in der Geschichte der russischen Premierliga. So kann die diesjährige Meisterschaft vielleicht “nur” als ein Auftakt einer neuen Hegemonie im russischen Fußball begriffen werden.

Quelle: Readers Edition, Autor: Alexander Günther, Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/

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